Rückblick auf Sailor Moon R

Sailor Moon R ist die zweite Anime-Staffel von Naoko Takeuchis und Toei Animations Klassiker, deren Handlung auf emotionaler Ebene viel zu bieten hat und in zwei Storyabschnitte eingeteilt ist. Mitte der Neunzigerjahre wurde diese erstmals auf RTL2 ausgestrahlt. Nicht grundlos zog es Millionen von Anime-Fans vor den Fernseher …

Die Geschichte beginnt quasi wie in Staffel eins bei null, knüpft aber direkt an den Abschluss jener an. Auf Bunny und ihre Gefährtinnen wartet eine neue Bedrohung, denn sogenannten Kardiane, abgesandt von Al und Anne, haben es auf menschliche Energie abgesehen. Bunny erhält neue Kräfte, obendrein taucht ein neuer Retter in der Not auf: der »Ritter des Mondlichts«. Zunächst ahnen die Sailor-Kriegerinnen nicht, dass ihre neuen Mitschüler Natsumi und Seijuro Ginga dahinter stecken. Diese sammeln nämlich Energie für den »Baum der dunklen Macht«. Um was es sich dabei handelt und welche Absichten dieser verfolgt, das erfahren unsere Heldinnen im Zuge dessen …

Kaum ist Frieden eingekehrt, wartet auch schon die nächste Gefahr auf die Sailor-Kriegerinnen: Während einer Verabredung von Bunny und Mamoru taucht plötzlich ein kleines Mädchen auf. Dieses fordert unsere Heldin dazu auf, ihr den Silberkristall auszuhändigen. Seit der Begegnung plagen Mamoru böse Illusionen, die Bunny betreffen. So beschließt er zu ihrem Schutz, ihre Beziehung zu beenden. Bunny ist daraufhin natürlich emotional angeschlagen, muss sich jetzt allerdings mit neuen Feinden auseinandersetzen. Diese haben es sowohl auf das kleine Mädchen namens Chibi-Usa als auch auf den Ursprung »Crystal Tokyos« abgesehen. Schon bald offenbart sich, dass die neuen Feinde aus der Zukunft kommen. Doch auch Chibi-Usa verhält sich mysteriös, was natürlich ergründet werden muss. Für die Sailor-Kriegerinnen gilt es, sowohl das gegenwärtige als auch das zukünftige Tokyo zu retten.

Sailor Moon R basiert auf Naoko Takeuchis Pretty Guardian Sailor Moon-Manga. Die Anime-Umsetzung entspricht aber nur ansatzweise der Handlung des Originals, was besonders in dieser Staffel deutlich wird.  Beispielsweise entsprang der erste Storyabschnitt um Al und Anne nicht der Vorlage, war jedoch aufgrund des Ausgangs von Staffel 1 nötig. Des Weiteren entsprachen beispielsweise die Intentionen von Black Moon nicht exakt denen aus der Manga-Vorlage. Die Geschichte von Sailor Moon R ist dramatischer und romantischer gestaltet. So wird sowohl die Freundschaft der Sailor-Kriegerinnen als auch die Liebe zwischen Mamoru und Bunny auf eine harte Probe gestellt. Eine neue wichtige Figur kommt ebenso ins Spiel: die kleine Chibi-Usa. Storymäßig knüpft Sailor Moon R an die mythologischen Aspekte der ersten Staffel an. So ist beispielsweise die Bezeichnung Nemesis laut einer griechischen Mythe eine Rachegöttin. Bezogen auf die Anime-Serie steht der Name für einen Planeten, deren Bewohner (Black Moon) Rachegedanken verspüren.

Für Sailor Moon R produzierte Toei Animation 42 Episoden, welche 1993 in Japan debütierten. Junichi Sato führte Regie in den ersten 14 Folgen und Kunihiko Ikuhara übernahm die Leitung in den darauf folgenden. Auf musikalischer Ebene beschloss RTL2 in den 90igern den Opening-Theme-Song neu zu gestalten. So ersetzte man die Titelmusik mit Liedern einer speziell dafür gegründeten Gruppe: die »Super Moonies«.

In der deutschen Stimmenbesetzung gab es zu Beginn der zweiten Staffel ebenfalls Veränderungen. So sprach Inez Günther fortan die Heldin Sailor Moon. Zu Anfang noch recht holperig in der Rolle steigerte sie sich im Laufe der Zeit in hinein. Zudem wechselten die Sprecher von Luna und Mamoru. Auch diese kamen mit gewissen Anfangsschwierigkeiten, in die Rolle zu finden. Die nun nasale Stimme von Luna spaltete die Fangemeinde und den einstigen Umino als Mamoru zu hören war definitiv auch sehr gewöhnungsbedürftig.

Toei Animations zweite Staffel der Sailor-Moon-Saga Bishojo Senshi Sailor Moon R knüpft an den Charme der vorherigen Serie an. Jedoch wartet diese aufgrund der veränderten Story im Bezug zum Original-Manga mit mehr Füllmaterial auf. Romance- und Magical-Girl-Fans sollten diese Anime-Reihe auf jeden Fall einmal gesehen haben. Nachholen könnt ihr dies auf ANIMAX oder durch den Erwerb der DVD-Boxen bei Kazé.

20 Jahre Sailor Moon: Rückblick auf Staffel 1 des Originalanimes

Als Fan der ersten Stunde mag man es kaum glauben: Sailor Moon begeistert nunmehr seit 20 Jahren deutsche Anime- und Manga-Lieberhaber. Wo die Serie in den 90ern ihren Einstand auf ZDF feierte, kam mit dem Wechsel zu RTL2 der große Erfolg. Mit diesem folgte hierzulande der große Anime-Boom – ausgelöst durch Klassiker wie eben Sailor Moon oder inetwa Dragon Ball. Wir schauen zurück und möchten nun nach und nach auf die Staffeln, Filme und Charaktere des Originalanimes eingehen.

1992 debütierte die erste Anime-Serie zu Sailor Moon in Japan, welcher unter der Regie von Junichi Sato, der später auch in erfolgreichen Magical-Girl-Serien wie Ojamajo Doremi oder Shugo Chara!! Doki! seine Finger mit im Spiel hatte, gelang es Toei Animation, den ersten Handlungsbogen um den Dark Kingdom zu Naoko Takeuchis gleichnamige Manga-Reihe umzusetzen.

Der Zuschauer lernt hier die tollpatschige 14-jährige Bunny (Usagi) Tsukino kennen, deren Alltag aus essen, schlafen und für Motoki Furuhata zu schwärmen bestand – eben ein scheinbar ganz normales Mädchen. Wäre da nicht der gemeine Student Mamoru Chiba, der ihre gute Laune gerne strapaziert. Ihr Alltag verändert sich drastisch, als eine sprechende Katze namens Luna sie aufsucht und das Mädchen mit ihrer neuen Aufgabe vertraut macht: nämlich als Sailor Moon für Gerechtigkeit zu kämpfen und gegen das Königreich des Dunkeln anzutreten. Die böse Königin Perilia hat es auf Lebensenergie abgesehen und hetzt ihre Diener – die Generäle Jedyte, Neflite, Zoisite und Kunzite – auf die Menschheit. Heulsuse Bunny ist sich ihrer Aufgabe anfangs noch nicht ganz bewusst und katapultiert sich in gefährliche Situationen. Gott sei Dank holt sie der mysteriöse Tuxedo Mask jedes Mal aus der Patsche und wird dadurch Bunnys großer Schwarm.

Das Mädchen bleibt im Verlauf der Handlung nicht alleine: Tatkräftige Unterstützung erhält sie von weiteren Sailor-Kriegerinnen. Als Team müssen sie das Böse bezwingen und dabei wächst das Band der Freundschaft zwischen den Mädchen stetig. Im Alltag stellt Bunny außerdem schon bald fest, dass der fiese Student Mamoru eine viel größere Rolle in ihrem Leben einnehmen wird als erwartet …

Wer genau hinschaut, der entdeckt in der Handlung von Sailor Moon Spuren von mythologischen Legenden und Märchen. So findet der Zuschauer viele Übereinstimmungen aus der alten griechischen Mythologie über den König Endymion vom Elis, dem Liebhaber der Mondkönigin Selena, oder aus der japanischen Volksgeschichte Kaguya-hime no Monogatari. Toei Animations erste Sailor Moon Staffel wartet sicherlich nicht mit einer tiefsinnigen Handlung auf, begeistern tun vielmehr die Charaktere und deren Gegebenheiten. Des Weiteren wächst die Protagonistin der Erzählung über sich hinaus: Aus der Heulsuse Bunny wird eine tapfere Kriegerin.

Wie es sich für eine Magical-Girl-Serie gehört, warten die einzelnen Episoden mit jeder Menge Verwandlungen und Attacken auf. Folge für Folge wird ein Dämon ausgeschaltet, irgendwann widmen sich die Helden einem der Generäle und dann geht das Spiel von vorne los, bis schließlich die finale Auseinandersetzung gegen Königin Perilia beziehungsweise Metalia folgt. Die Monsterkämpfe sind aber keineswegs sinnlos oder langweilig, die Serie tut sich gut darin, auch die menschlichen Opfer in Szene zu setzen, deren alltägliches Problem man im Vordergrund stellt.

Wer Naoko Takeuchis Manga Pretty Guardian Sailor Moon kennt, der wird schnell merken, dass die 46-episodige erste Anime-Staffel mit einigen Unterschieden in der Handlung und der Gestaltung kommt. Dabei wurde vor allem auf eine kinderfreundliche Aufmachung Wert gelegt. So kommt der Spaßfaktor grundsätzlich nicht zu kurz. Dennoch ist die erste Sailor-Moon-Staffel dem Manga vergleichsmäßig näher angelehnt als alle darauffolgenden Serien.

Anders als beispielsweise im amerikanischen Raum kamen deutschsprachige Zuschauer im vollen Genuss der Folgen – sprich, es wurde nichts geschnitten. Dennoch musste man sich in der deutschen Version ebenso mit Änderungen zufriedengeben. So wurden beispielsweise aus der Protagonistin Usagi »Bunny« und aus der Widersacherin Queen Beryl »Königin Perilia«. Neben diesen Namensänderungen besetzte man in etwa den eigentlich männlichen Zoisite mit einer weiblichen Stimme, um die geringen Boys-Love-Elemente zu überschminken. Auch Dialogzensur fand stand. So schrieben die Drehbuchautoren gewisse Begriffe in kinderfreundlichere Formen um: beispielsweise machte man aus »töten« »in den ewigen Schlag versetzen«. Des Weiteren wurden Verwandlungs- und Attackennamen nicht aus dem Originalanime übernommen.

Lobenswert ist der japanische Soundtrack. Besonders die Hintergrundmelodien stimmten die Macher perfekt auf die emotionalen Höhepunkte ab – von melancholischen Klaviertönen bis hin zu orchestralen Klängen. DALI steuerten im japanischen Original den Song Moonlight Densetsu als Opening bei. In der deutschen Fassung produzierte Andy Knote das Opening sowie Ending.

Hierzulande wurde die 46-teilige erste Anime-Staffel von Sailor Moon Anfang der Neunzigerjahre auf ZDF ausgestrahlt, aufgrund niedriger Einschaltquoten jedoch wieder abgesetzt und schließlich später von RTL2 übernommen. Die deutsche Synchronisation ist passend gewählt. So hört der Zuschauer in Staffel 1 Sabine Bohlmann als Heldin Bunny Tsukino und Matthias von Stegmann alias Mamoru Chiba oder die inzwischen verstorbene Veronika Neugebauer als Makoto Kino.

Wer bisher noch nicht in den Genuss gekommen ist, diesen klassische Magical-Girl-Anime anzuschauen, der kann dies aktuell auf dem Pay-TV-Sender ANIMAX nachholen oder sich die von Kazé hierzulande herausgegebenen DVD-Boxen besorgen!